Goscher 

wuah, what an ugly header!

Die Mode-Diktatur des Prekariats


Ich hasse Einkaufen. Meistens ähneln meine Shopping-Touren eher einem Stadtspaziergang, bei dem ich nichts ausser einem Parkticket kaufe.

Aber was soll ich machen? Ich komme in ein Geschäft rein, suche das Stockwerk mit dem Kinderparadies und biege kurz davor in die Männerecke ab. Dort strahlen mich schon von weitem die zwei, drei Hosen, die vier, fünf T-Shirts und die Armada an Streifen-Pullis an.
Streifen! Warum unbedingt Streifen? Und warum auf jedem einzelnen Pulli! - “Nein, nein!”, mag da der ein oder andere sagen, “Es gibt doch auch Pullis ohne Streifen!”. Dem muss ich leider zustimmen. Es gibt auch Pullis mit Karomuster. Aber die sind auch nicht wirklich etwas, um sich aus der uniformen Masse der H&M-Armee herauszulösen.

In meiner Heimat, der oberschwäbischen Provinz, gibt es viele Modegeschäfte. Für Frauen. Und es gibt ein undurchsichtiges Modegeschäfts-Franchise-Netzwerk für Männer. Egal in welchen Klamottenladen man reingeht - es gibt in jedem das selbe. Zum gleichen Preis. Von den selben Schönling-Models präsentiert, mit den selben Streifen und Karos. Doch ich als staatlich geprüftes OnlineMedium habe ja auch die Möglichkeit, die Digital Gap zu überspringen um mich in der großen weiten Welt umzusehen. Die erste Station war - unkreativer Weise - Otto.de … ein Fehler.

Quelle: www.otto.de

Quelle: www.otto.de

Als erstes schaut mich dieser Fliegensonnenbrillenträger mit dem Karomuster an, als ob er einen Schlaganfall hat und dringend Hilfe braucht. Der arme Kerl. 9 Streifen, 5 Karos und 6 Acker-Pullis (das sind die kreative dritte Art von modischer Oberbekleidung: Strickpullis, bei denen sich Hügel und Täler abwechseln. Diese sind gewöhnungsbedürftig, aber ganz okay, wenn nicht immer alles mit Vintage vollgepinselt wäre…) auf der ersten Seite. Todesmutig hab ich weitergeguckt. Über 200 Pullis! Nachdem nur einer die Chance auf ein Recall bekommen hat, machte ich das, was ich immer tu: Den Laden verlassen bevor ich mir ‘n Scheiss kauf, der mir auch nicht wirklich gefällt.

So, weg also mit Otto, Quelle, H&M und wie ganzen Streifenhersteller alle heissen. Frontlineshop.com. Das sieht doch mal besser aus. Guter Aufbau der Seite, Klick, Klick, bin bei den Sweatshirts, Klick, nach Preis sortieren (macht ein Schwabe automatisch), Wow! Keine Streifen! Aber doch ein etwas fades Design. Klick.  … Igitt. Style-Overkill! Zuviele nichtssagende Farbflecken auf einmal, die Stäbchen und Zapfen in meinen Sehorganen drohen mit kollektivem Selbstmord! Der letze Klick auf das kleine x fällt leicht.

Quelle: www. frontline.com

Quelle: www. frontline.com

Schauen wir doch mal rüber nach Frankreich. “Französische Mode leben”, okay. Von Mode verstehen die Franzosen ja angeblich was. Klick … Klick … mmmh… Klickklickklickklick, Reload, Abbrechen, Reload… Mist. Von Homepages bauen anscheinend nicht soviel. Die Seite hängt sich vor meinen Augen auf. Merde!

www.3suisses.de

www.3suisses.de

Ich hab jetzt keine Lust mehr!

[14:31] Catherine: ok, ich seh schon. wir müssen live einkaufen gehen
[14:31] Catherine: sollen wir am samstag mal nach freiburg?
[14:31] Catherine: dann können wir ja auch abends da ins kino in wall-e
[14:32] Moe: das wäre ne Idee

Offline-Einkaufserlebnis, du hast mich wieder. Zurück zu den Männerecken, vollbepackt mit Streifen-Uniformen und zerknitterten Hemden. Zurück zu den Schuhregalen mit einem Modell - aber von vier Herstellern in hunderten Farbkombos. Zurück zum Stadtspaziergang. Ich hasse Einkaufen.

Edit: 4 Stunden durch Freiburg gelaufen und ein Sakko und ein Parkticket gekauft. Rock ‘n Roll! Catherine war auch schon ganz genervt :D



8 Responses to “Die Mode-Diktatur des Prekariats”

  1. Catherine Says:

    Du bist so ein armer Kerl. Aber hast du nicht letztens gehört, was Dominik erzählt hat. Männer kaufen nichts online oder aus dem Katalog. Die gehen in den Laden suchen sich was aus und gehen wieder. Scheint alles ganz einfach und logisch zu sein. Es muss also an dir liegen! ;)

    Ich hätte noch einen anderen Vorschlag als Online Shopping und “Live Shopping”. Wie wäre es, wenn du deinem Onkel mal wieder einen Besuch abstattest, wenn er zurück aus Tokyo ist und seinen Kleiderschrank plünderst? Das hat doch immer ganz gut geklappt. :D

  2. Lars Says:

    Cool geschrieben! Gefällt mir.

  3. Fry Says:

    Wie immer beendet der Herr einen 3 Zeilen Kommunikation der Frau mit 3 Worten :P

  4. Catherine Says:

    Hey, es waren immerhin 4 Worte!!

  5. Moe Says:

    Ja, ich bin nämlich extraordinär!

  6. Kristin Says:

    Lol Moe wie hast du denn jemals Klamotten gefunden? Das grenzt ja an ein Weltwunder bei diesen Zuständen! xD

  7. Jens Wiese Says:

    Du hast bei frontlineshop nichts gefunden? Dann bist du ei hoffnungloser Fall :-)
    Bei mir wäre da eher das Problem mit dem Preis. Pullies für 80+ Euro ist für den Schwaben wohl ein Ausschlußkriterium, aber doch nicht die wirklich geilen Motive..

  8. alex K. Says:

    ich leih dir mal lari aus…
    ich wollte neulich nichtmal was kaufen und hab was gefunden… :)
    normal find ich auch nie was… nicht mal dann, wenn ich es will… :)
    und die rennt durch nen laden und bleibt vor dem einzig tauglichen schuh stehen. Die Frau ist Gold wert, sag ich dir… :)

Leave a Reply